Literaturkreis 10.3.2021

Der Literaturkreis hat sich zum dritten Mal – mit Unterstützung des Stadtseniorenrates über Zoom – getroffen. Diesmal nahmen 15 Lesebegeisterte teil. Das Ehepaar Wünsch schickte vorher den Aphorismus von Richard Atwater (1892-1948): „Bücher sind Schokolade für die Seele. Sie machen nicht dick. Man muss sich nach dem Lesen nicht die Zähne putzen. Sie sind leise. Man kann sie überall mitnehmen, und das ohne Reisepass. Bücher haben aber auch einen Nachteil: 

Selbst das dickste Buch hat eine letzte Seite, und man braucht wieder ein neues.“ 

Vorgestellt und diskutiert wurde diesmal Max Kleebergs zwölftes Buch „Das amerikanische Hospital“, für das er 2011 den Evangelischen Buchpreis erhalten hat. Zwei Teilnehmerinnen hatten Kleeberg bei Lesungen in Böblingen, wo er einen Teil seiner Jugend verbracht hatte, kennengelernt. Der Roman schildert das zufällige Zusammentreffen einer Französin, die in der amerikanischen Klinik künstlich befruchtet werden soll, mit einem US-Soldaten, der in der Klinik an seinem im Irak-Krieg verursachten posttraumatischen Belastungssyndrom behandelt wird. Auch die (vergeblichen) Fertilisationsversuche entwickeln sich für die Französin zu einem Trauma. Heilend und helfend für beide, so stellt sich heraus, sind die Begegnungen und sensiblen Gespräche über einen Zeitraum von mehr als einem Jahr.

Die Stärken des Buches, so arbeiteten die Diskutierenden heraus, liegen zum einen in der Beschreibung der kalten und technokratischen Reproduktionsmedizin, die die Französin in die Verzweiflung und schließlich in die Trennung von ihrem Mann treibt. Zum anderen sind es die Schilderungen der Sinnlosigkeit und Menschenfeindlichkeit eines Krieges, der zugleich Teile von Natur und Umwelt im Irak vernichtet. Als Schwächen wurden sprachliche Teile des Romans wie auch seiner Beschreibungen von Paris gesehen.

 

Für das nächste Treffen des Literaturkreises Ende April wurden in mehrheitlicher Abstimmung zwei Bücher ausgesucht:

 

  1. Der vierte Roman des noch relativ jungen deutsch-schweizer Autors Benedict Wells (Jahrgang 1984) „Vom Ende der Einsamkeit“, für den er 2016 den Literaturpreis der Europäischen Union erhalten hat. In der SPIEGEL-Bestseller-Liste 2016 stieg das Buch innerhalb kurzer Zeit auf Platz 3. In siebenjähriger Arbeit entstanden zunächst 800 Seiten Manuskript, die wurden dann vom Autor auf 360 Seiten komprimiert. Wells schildert nach dem frühen Unfalltod der Eltern das Leben von drei Kindern, von denen jedes auf ganz eigene Weise mit dem Schicksalsschlag umgeht.
    Vom Ende der Einsamkeit
     
  2. Das zweite Buch des 1976 in Bordeaux geborenen Multitalents Laetitia Colombani, die Schauspielerin, Regisseurin, Drehbuchautorin und Schriftstellerin in einem ist: „Das Haus der Frauen“, über die Geschichte und turbulente Alltagsgegenwart eines Frauenhauses in Paris. Das Werk erschien 2019 in Frankreich, die deutsche Übersetzung brachte es in der SPIEGEL-Bestseller-Liste bis auf Platz 4.

    Das Haus der Frauen

 

Kontakt: Literaturkreis@stadtseniorenrat-holzgerlingen.de

nächste Veranstaltung: 21.4.2021