Literaturkreis 20.10.2021

Beim Treffen des Literaturkreises am 20.10.21 (live in der Stadtbücherei!) diskutierten die 12 Anwesenden diesmal angeregt über Bernhard Schlinks Roman "Olga".

 

Olga

Olga (ISBN:978-3-257-07015-6)

Der Autor gliedert sein Werk in drei Teile:

Im 1. Teil berichtet ein beobachtender Erzähler über Olgas Leben, wie sie zunächst als Kind Ende des 19.Jhdts. ihre Eltern verliert, bei ihrer Großmutter ungeliebt in Pommern in ärmlichen Verhältnissen aufwächst und dort Herbert kennen-und lieben lernt, der, im Gegensatz zu ihr, aus einer reichen Gutsbesitzerfamilie stammt. Olga widersetzt sich den Normen der Zeit und erkämpft sich ihren Traumberuf als Lehrerin. Sie ist bodenständig, kritisch-denkend  - Herbert dagegen ist träumerisch, rastlos, ein Getriebener, den es in die Ferne zieht. So kämpft er als freiwilliger Soldat in Deutsch-Südwest-Afrika in den dt. Kolonien zur Zeit des 1. Weltkrieges. Später träumt er davon, die Arktis zu erforschen und wird dabei sein Leben verlieren.

Im 2.Teil wird Olgas Geschichte aus der Sicht des Sohnes (Ferdinand), bei dessen Familie sie nach Schicksalsschlägen als Näherin arbeitet, erzählt.

Der 3. Teil schließlich besteht aus den 30 Briefen, die Olga  in verschiedenen Phasen ihres Lebens an Herbert postlagernd geschrieben, die er nie erhalten und die sich Ferdinand nach ihrem Tod beschafft hatte.

In diesen emotionalen  Briefen nähert sich der Leser Olga immer mehr an und gewinnt tiefen Zugang zu ihren innersten Gefühlen und Gedanken.

So bleibt uns Olga in Erinnerung als eine Persönlichkeit von überbordender Stärke - heute würden wir vermutlich von "hoher Resilienz" sprechen -  wenn man bedenkt, in welcher Zeit diese Geschichte angesiedelt ist und wie sie die Widrigkeiten ihres Lebens tapfer und ohne zu klagen ertragen hat.

Erst in diesen wunderbaren Briefen erleben wir Olga als die starke Frau, die schreibt, was sie denkt - was sie im "wahren Leben" ja nie getan hat.
Bernhard Schlink erzählt uns in "Olga" Geschichte am Beispiel einer in vielerlei Hinsicht ungewöhnlichen, besonderen Frau, deren Schicksal uns  bewegt und noch lange nachwirkt!

 

Beim nächsten Treffen Anfang Dezember werden wir uns über den Roman "Unter der Drachenwand" von Arno Geiger austauschen.

Unter der Drachenwand

Unter der Drachenwand (ISBN: 3423147016)