| Treffen | Titel | Autor |
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| Januar 2026 | Im Menschen muss alles herrlich sein | Sasha Marianna Salzmann |
| März 2026 | Das Buch von Blanche und Marie | Per Olav Elmquist | Mai 2026 | Amrum | Hark Bohm und Philipp Winkler | Juni 2026 | James | Percival Everett | Juli 2026 | Heimsuchung | Jenny Erpenbeck |
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Autoren: Hark Bohm und Philipp Winkler Taschenbuch, 7. Auflage, Ullstein Verlag 2025, 316 Seiten, 14,99 Euro Das (inzwischen auch verfilmte) Buch „Amrum“ von Hark Bohm spielt auf der Nordseeinsel, auf der der in Hamburg geborene Bohm einen Teil seines Lebens verbracht hat. Amrum hatte 1939 etwa 1400 Einwohner. Lebensmittelmangel und Hunger im Krieg, aber auch die Verfilzung einzelner Familien mit der NSDAP, die Risse, die durch einige Familien gingen, Verrat, NS-Verfolgung selbst noch wenige Wochen vor Hitlers Selbstmord, das Ende des Krieges, die Besetzung selbst dieser kleinen Insel durch britische Soldaten – all das wird in dem Buch lebhaft und gut lesbar geschildert aus der Erlebnissicht eines zehnjährigen Jungen und seines Freundes. Beide verstehen vieles aus dem Nazi-Jargon überhaupt nicht („Mama, was ist ein Jude?“), müssen sich aber intensiv am Überlebenskampf ihrer Familien beteiligen – Nahrung „erjagen“, also zum Teil die als Soldaten an den Fronten stehenden Väter „ersetzen“. |
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Literaturkreis Holzgerlingen im Mai 2026 (Stadtbücherei) Was haben unsere Eltern und Großeltern in der Nazizeit gemacht? Diese durch das jüngst geöffnete US-Nazi-Archiv so aktuelle Frage stand auch im Mittelpunkt der Diskussion des Literaturkreises. Nach Kriegsende kamen auch Flüchtlinge und Vertriebene aus dem Osten nach Amrum. Dies führte zu einer besonders lebhaften Diskussion, weil eine ganze Reihe der Mitglieder selbst aus Familien mit damaligen Fluchterfahrungen kommt. Die Integration dieser 8 Millionen Menschen in Westdeutschland (weitere 4 Millionen blieben auf der Fluchtroute in Ostdeutschland) wird als eine der größten Leistungen der jüngeren deutschen Geschichte bezeichnet, und auch Holzgerlingen mit seinem damaligen rührigen Bürgermeister Rommel hatte daran einen bemerkenswerten Anteil. So zeigte sich wieder einmal, wie unterschiedlich man ein Buch lesen kann. Dies empfindet der Kreis immer wieder als eine große Bereicherung für die Diskussion. |
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Autor: Percival Everett Taschenbuch 4. Auflage, Blessing Verlag 2025, 333 Seiten, 14 Euro Mark Twains „Huckleberry Finn“ noch einmal neu erzählen, kann das gut gehen? Und dann aus der Sicht des Sklaven James? Es kann. Percival Everett, Professor an der University of Southern California, hat es gewagt, damit einen Bestseller gelandet und als höchste Ehrung den Pulitzer-Preis 2025 erhalten. Das Portrait des Sklaven Jim wird von Everett weit über die Informationen von Mark Twain hinaus geschärft und zum Teil verändert. Jim/James ist der Ich-Erzähler des Buches, kann lesen und schreiben und liest philosophische Bücher über das Thema Freiheit. Er schildert die brutalen Realitäten der Sklaverei in den USA vor dem Bürgerkrieg 1861-1865 mit schonungslosen Worten und kritisiert das widersprüchliche Verhalten der „weißen Rassisten“, die ohne Hemmungen morden, stehlen und betrügen konnten, die Sklaven endlos misshandelten, andererseits aber größten Wert auf ihre „Christlichkeit“ und ihre moralischen Werte legten. |
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Literaturkreis Holzgerlingen im Juni 2026 (Stadtbücherei) Die längste Diskussion im Literaturkreis gab es zu der Frage, warum Everett gerade jetzt dieses Buch geschrieben hat. Einige hielten es für einen allegorischen Spiegel von Teilen der heutigen amerikanischen Gesellschaft, andere widersprachen vehement. So waren die Meinungen über das Buch geteilt. Eine Teilnehmerin erinnerte an die große Ablehnung, der Afro-Amerikaner bei Besuchen in den Herkunftsländern ihrer Vorfahren in Afrika begegnet seien. Viele damalige afrikanische Herrscher und Stammeshäuptlinge seien durch den Sklavenhandel, den sie selbst in Gang gebracht hatten, reich geworden. Daran möchte niemand erinnert werden. Dennoch: insgesamt ein spannendes, flüssig geschriebenes Buch. Beim nächsten Treffen im Juli wird das Werk von Jenny Erpenbeck „Heimsuchung“ im Mittelpunkt stehen. |
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Autorin: Jenny Erpenbeck Taschenbuch, 188 Seiten, Penguin Verlag Jenny Erpenbeck, geboren 1967, ist eine bekannte deutsche Regisseurin und Schriftstellerin. Ihre Bücher sind in mehr als 20 Sprachen übersetzt. Für ihr Werk erhielt die Künstlerin mehrere Stipendien und zahlreiche Auszeichnungen. Ihre Romane sind stark biografisch geprägt und verarbeiten persönliche wie historische Erfahrungen. Zentrale Motive sind für sie Übergänge und Verwandlungen, die auch ihren Roman «Heimsuchung» (2008) prägen. Das topografische Zentrum in Erpenbecks Roman «Heimsuchung» ist ein Grundstück am brandenburgischen Scharmützelsee bei Berlin. Über mehr als ein Jahrhundert hinweg wird dieses Grundstück von den Besitzern und Bewohnern des darauf gebauten Hauses genutzt und geprägt – ihre persönlichen Schicksale spiegeln dabei zentrale Abschnitte und politische Umbrüche der deutschen Geschichte wider: von der Weimarer Republik, dem Nationalsozialismus, dem Zweiten Weltkrieg, der DDR-Zeit bis zur Wiedervereinigung und ihren Folgen. Der Titel des Romans ist doppeldeutig: «Heim-Suchung», also die Suche nach einem Heim und «heimgesucht werden», also das Ausgeliefertsein an wechselnde politische Verhältnisse, die das persönliche Schicksal bestimmen. Zentrale Themen in diesem Buch sind:
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Literaturkreis Holzgerlingen im Juli 2026 (Generationenhaus Holzgerlingen) Zentrale Themen in der Diskussion des Literaturkreises Holzgerlingen bei seinem Treffen im Juli im Generationenhaus Holzgerlingen waren die Enteignung von Eigentum während der Wende, Erfahrungen von Verlust von Eigentum und Heimat, aber auch von Versöhnung (deutsch-polnisches Verhältnis). Hier konnten sich viele mit ihren persönlichen Erfahrungen einbringen, sei es in der Zeit der DDR oder danach. Unterschiedlich erlebt wurde die Zuordnung der Figuren zu den historischen Begebenheiten, die nur in Andeutung geschieht und ein Wissen um geschichtliche Hintergründe voraussetzt. Auch der Erzählstil und die Sprache wurde teils beeindruckend, teils verwirrend erlebt: Der Roman erzählt nicht linear, sondern aus verschiedenen Perspektiven. Erpenbecks Sprache ist mal poetisch und dicht, dann wieder nüchtern und sachlich. Lesenswert ist das Buch, weil es ein dichtes thematisches Geflecht darstellt, das grundlegende menschliche Erfahrungen und historische Entwicklungen miteinander verwebt. Uta-Maria Köninger |
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